
Dieser Essay untersucht Modalitäten der Fragmentierung in der Fotografie: vom Riss über den Bruch bis hin zur Teilung von Fotografien oder Auflösung von Fotoserien. Fragmentierungen können in der Fotografie entweder aus zufälligen Schäden oder intendiert entstehen, wenn Foto-konvolute etwa geteilt und verstreut wurden. Solche Teile einer früheren Einheit können in verschiedene Archive gelangen und so ihre ursprünglichen Kontextinformationen verlieren. Dieser Text plädiert für eine Fragmentologie der Fotografie im Sinne eines kritischen Umgangs mit dem fragmentarischen Charakter der Fotografie als historischer Quelle. Ästhetische und materielle Ähnlichkeiten von Bildern werden dann leitend, um zusammengehörige oder verwandte Fragmente von Fotografien, Serien oder Konvoluten in denselben oder verschiedenen Archiven zu identifizieren. Im Folgenden werden archivübergreifend einige exemplarische Fälle analysiert und die Schwierigkeiten derartiger Rekonstruktionen diskutiert.