
Die Sammlung Schnitkemper umfasst rund 5 000 Stereobildpaare sowie wenige Einzelaufnahmen auf Kleinbildnegativfilm aus den Jahren 1946 bis 1949/1950 und stellt eine in Umfang und Systematik äußerst seltene visuelle Dokumentation westdeutscher Trümmerstädte dar. Der Bestand wurde im Rahmen einer Kooperation zwischen dem LWL-Medienzentrum für Westfalen mit Sitz in Münster und der Irene und Sigurd Greven Stiftung in Köln zwischen 2023 und 2025 digitalisiert, inhaltlich erschlossen sowie online zugänglich gemacht. Die Fotografien zeichnen sich durch einen ungewöhnlich funktional anmutenden Aufnahmestil aus, der sich deutlich von anderen Beispielen zeitgenössischer Trümmerfotografie unterscheidet. Die Sammlung besitzt hohen Quellenwert für die Städtebaugeschichte, historische Geografie und Zeitgeschichte, da sie nicht nur Zerstörungen, sondern auch den Wiederaufbau und den Alltag der Nachkriegsjahre mit seinen Provisorien dokumentiert. Ihre Besonderheit liegt in der Kombination aus Serialität, methodischer Konsequenz und tiefenräumlicher Information. Die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte bleibt mangels Kontextinformationen trotz umfangreicher Recherchen bisher fragmentarisch. Die Identität des Fotografen und der ursprüngliche Zweck stellen Forschungsdesiderate dar.