
Der Münchner Chemiker und Mineraloge Franz von Kobell (1803–1882) experimentierte zwei Jahre vor dem offiziellen Geburtsjahr der Fotografie 1839 erfolgreich mit dem Salzpapierverfahren. Seine vierzehn erhaltenen Negative in den Sammlungen des Deutschen Museums in München, darunter sieben Aufnahmen von der dortigen Frauenkirche, wurden 2024 im Kontext seiner weiteren neu entwickelten Reproduktionsverfahren wie auch der Arbeiten seines Kollegen Carl August Steinheil (1801–1870) erstmals in einer eigenen Publikation vorgestellt. Dieser Beitrag nimmt vertiefend die Frage in den Blick, wieso die frühe Datierung so lange verborgen geblieben ist. Dabei wird die Komplexität kuratorischer Forschung aufgezeigt, die sich neben der Sicherung der Daten mit der kontroversen Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte befasst und dabei auch die Hürden der eigenen institutionellen Gegebenheiten reflektiert.