Vorschau

ca. 176 Seiten mit 120 schwarzweißen Abbildungen, 23 × 30 cm, Hardcover

ISBN: 978-3-422-07453-8
Preis: ca. 34,90 € [D] (inkl. MwSt ggf. zzgl. Versandkosten)

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Alltag als Exenplum

Religiöse und profane Deutungsmuster der frühen Genrekunst

Hrsg. von Sandra Kaden, Jürgen Müller und Stefano Rinaldi

Lange Zeit galt Genrekunst als Abbild der Wirklichkeit und der Prozess zunehmender Säkularisierung schien die Ursache ihrer Entstehung. Heute herrschen Erklärungen vor, welche die Genrekunst im Sinne gemalter Ethik und Lasterdarstellungen als Beitrag eines christlich-didaktischen Programms werten. Der vorliegende Band erweitert diese Perspektiven. Denn die Genremalerei stellt sich politischen, theologischen wie kunsttheoretischen Fragen und erweist sich als Medium einer im Aufbruch begriffenen Welt. So ist es kein Zufall, dass sich die Anfänge der Genrekunst im 15. Jahrhundert in druckgraphischen Werken – im fortschrittlichsten Reproduktionsmedium jener Zeit – finden. Dabei adressiert sie ein städtisches Publikum, das im Alltag immer wieder dem Problem christlicher Lebensführung gegenübersteht.

Die Publikation versammelt Beiträge mit Interpretationen exemplarischer Genrebilder von Albrecht Dürer, Hieronymus Bosch, Petrus Christus oder Jan Sanders van Hemessen und regt zu einer Neubewertung der Gattung an, um sie als selbstrefl exive, konfliktoff ene Kunstform sichtbar zu machen.

English

For a long time, genre art was thought to be an imitation of reality and the process of increasing secularization seemed the cause of its origin. Prevailing explanations today interpret genre art as a contribution to a Christian didactic program, in keeping with painted depictions of ethics and vices. The present volume expands on these perspectives. Genre painting asks itself political, theological and art theoretical questions, and proves to be a medium of a world in transition. Thus, it is no coincidence that the beginnings of genre art can be found in 15th century prints – in the most advanced reproduction medium of that time. Genre art addressed an urban public;one repeatedly faced with the everyday problems of leading a
Christian life.

This publication is a compilation of essays interpreting exemplary genre paintings by Albrecht Dürer, Hieronymus Bosch, Petrus Christus and Jan Sanders van Hemessen. It proposes a re-evaluation of genre art that allows it to be seen as a selfreflective art form that does not shy away from conflict.