Fotografie

448 Seiten mit 62 farbigen und 221 schwarzweißen Abbildungen, 17 x 24 cm, Klappenbroschur

ISBN: 978-3-422-07367-8
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Gisela Schäffer

Der unschuldige Blick

Leni Riefenstahls Nuba-Fotografien

Aachener Bibliothek Band 7

Leni Riefenstahl (1902–2003) trat in den siebziger Jahren mit zwei Fotobänden über die Nuba wieder an die Öffentlichkeit, die sich als herausragender Publikumserfolg erwiesen. Doch was bedeuteten diese spektakulären Körperbilder kurz nach der Dekolonisierung Afrikas? Welche projektiven Räume eröffneten sie und für wen?
Riefenstahls Fotobücher aktivieren ein visuelles Wissensarchiv gespeist aus kolonialen Stereotypen, primitivistischen Topoi und Reflexen nationalsozialistischer Körperpolitik. Sie entwickeln eine Sprache des »Anderen« aus der Opposition von Schwarzheit und Naturverhaftung versus Weißheit und Zivilisation, verquickt mit dem Traum von Heroismus, Unschuld und ungebremster Sexualität. Den Bildern Riefenstahls werden Arbeiten von Künstlern wie Ousmane Sow und Lisl Ponger gegenübergestellt. Die diskurskritische Studie widmet sich ausführlich einem der populärsten Beispiele in der nachkolonialen Produktion von Bildern afrikanischer Körper, um dessen vielschichtige psychosoziale und politische Funktionalisierung zu analysieren und zu dechiffrieren.

English

Leni Riefenstahl (1902–2003) came back into the public eye in the 1970s with two volumes of photographs on the Nuba. They met with outstanding public success. But what did these spectacular images of the human body mean shortly after the decoloniziation of Africa? Riefenstahl’s photo books activate an archive of visual knowledge fed by colonial stereotypes, primitivist topoi and echoes of National Socialist body politics. They develop a language about the “other” using oppositions of blackness
and natural tendencies vs. whiteness and civilization, inextricably linked with notions of heroism, innocence and uninhibited sexuality. Riefenstahl’s images are juxtaposed with works by artists such as Ousmane Sow and Lisl Ponger. This discourse and critical study is dedicated to one of the most popular examples in the post-colonial production of images of African bodies, in order to decode and shed light on its multilayered psychosocial and political functionalization.